HIS: Ursachen des Studienabbruchs in Bachelor- und in herkömmlichen Studiengängen
Die Studienabbruchquote wird für Deutschland mit 21% angegeben - ein im OECD Vergleich mittelmäßiger Wert. Seit Einführung der neuen Studiengänge brechen in den Sprach- und Kulturwissenschaften weniger (27% statt zuvor 32%), in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften allerdings mehr Studierende ihr Studium ab. Die HIS-Umfrage untersucht die Gründe für einen Studienabbruch:
- 31% der Studierenden, die ein Studium abbrechen, sind überfordert und geben auf - 11% mehr als noch 2000.
- 19% haben Schwierigkeiten, ihr Studium zu finanzieren. Als eine Ursache hierfür geben die Autoren an, dass die neuen Studienstrukturen es nicht erlauben, zusätzlich zum Studium erwerbstätig zu sein.
- 18% der Studienabbrecher geben an, Motivationsprobleme seien ausschlaggebend bzw. sie hätten andere Erwartungen an die Inhalte, Anforderungen und beruflichen Perspektiven gehabt.
- Studienabbrüche aufgrund schlechter Studienbedingungen haben etwas zugenommen (11%, zuvor 8%)
- An Bedeutung abgenommen haben die berufliche Neuorientierung, familiäre Probleme oder Krankheit als Ursache für einen Studienabbruch.
- In den neuen Bachelorstudiengängen haben eine besondere Bedeutung:
- ungenügende Studienleistungen (in Kombination mit früheren und häufigeren Leistungsüberprüfungen)
- mangelnde Studienmotivation
- unzureichende Studienbedingungen
- finanzielle Motive sind in den neuen Studiengängen weniger stark ausschlaggebend als in den alten. Die Autoren sehen die im Zusammenhang mit dem relativ frühen Studienabbruch, bis zu dem es noch nicht zu finanziellen Engpässen gekommen ist.
- Der Studienabbruch erfolgt früher als in den alten Studiengängen - für eine schwierige Eingewöhnung mit späterem erfolgreichen Abschluss ist keine Zeit mehr.
Die oben genannten Zahlen beziehen sich darauf, welche Gründe ausschlaggebend für den Studienabbruch waren. Der Tagesspiegel (13.1.10) zitiert aus der Studie weitere Zahlen:
"So erklärten insgesamt 53 Prozent aller Studienabbrecher, dass bei ihrem Entschluss, das Studium aufzugeben, finanzielle Probleme eine wichtige Rolle gespielt haben. Ausschlaggebend war dies bei 19 Prozent, etwas mehr als in einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2000 (18 Prozent). [...] Auch für die schlechten Studienbedingungen als Ursache für einen Abbruch gilt: Zwar sind sie nur für 12 Prozent entscheidend, doch drei Viertel sehen diese Mängel als einen Grund für ihr Studienversagen. Die Studierenden beklagen dabei vor allem einen unzureichenden Berufs- und Praxisbezug und eine unzureichende Betreuung durch die Lehrenden. Und die Unzufriedenheit ist gestiegen: Aktuell kritisieren 75 Prozent die Studienbedingungen, im Jahr 2000 waren es 71 Prozent. Die gravierendsten Veränderungen gab es bei Abbrechern, die das Studium für eine Arbeitsstelle aufgaben: Im Jahr 2000 waren es noch 19 Prozent, acht Jahr später nur noch zehn Prozent."
Weiterführende Links:
- Pressemitteilung der HIS AG
- Pressemitteilung zu einer anderen Studie der HIS AG im Jahr 2008
- Pressemitteilung des Bundesbildungsministeriums
Presseecho zur Studie:
- 12.01.10, Spiegel Online: Studienabbrecher: Warum es Studenten aus der Kurve trägt
- 12.01.10, FAZ: Studienanforderungen Hauptgrund für Abbruch
- 12.01.10, Deutschlandfunk: Auf den Einstieg kommt es an: Studienabbrüche können durch gezielte Zuwendung reduziert werden (Interview)
- 13.01.10, Tagesspiegel: Studienabbrecher: Überfordert und pleite
- 13.01.10, Süddeutsche (jetzt.de): Studie zu Studienabbrechern: Hoffnung für Bologna-Fans?
- 14.01.10: StudiesOnline: Wer geht warum? Studie zu Gründen und Motiven des Studienabbruch
- 14.01.10, Tagesspiegel: Der Bachelor als Rettung
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