Impressum & Kontakt Sitemap Suche

Nachrichten von studierbarkeit.de

Detailansicht

20. Februar 2010

AG Hochschulforschung / BMBF: Bachelor-Studierende - Erfahrungen in Studium und Lehre

Die AG Hochschulforschung der Uni Konstanz - die unter anderem seit Anfang der 80er Jahre das Studierendensurvey organisiert - hat im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Studie "Bachelor-Studierende - Erfahrungen in Studium und Lehre" vorgelegt, mit der eine Zwischenbilanz des Aufbaus der Bachelor-Studiengänge gezogen werden soll.

 Die Konstanzer Bildungsforscher konstatieren auf der Grundlage von Daten aus den Jahren 2006-2008, dass ein Großteil der befragten Studierenden (80%) Bologna-Ziele wie internationale Ausrichtung, Auslandsstudium, Akkreditierung, Vergleichbarkeit der Standards unterstützt.

Staatssekretär Rachel im Deutschlandfunk: "Bei grundsätzlicher Zufriedenheit mit der Qualität des Studiums werden, und das ist mir ein wichtiger Punkt, eben auch organisatorische Mängel in der Lehre und vor allem auch eine fehlende Transparenz für die Studierenden kritisiert und ich denke, hier muss angesetzt werden, damit wir ein Bachelor-Studium bekommen, das auch aus Sicht der Studierenden studierbar gestaltet werden kann."

Allerdings. In der Konstanzer Studie finden sich zahlreiche "alte Bekannte" der Kritik an den BA-Studiengängen. Eine Auswahl: 

  • Die Art der Einführung der BA/MA Studienstruktur in Deutschland findet wenig Zustimmung, vor allem die Festlegung auf (nur) drei Studienjahre, die in den meisten BA-Studiengängen zu finden ist 
  • Kernelemente des Bologna-Prozesses wie BA/MA-Struktur, Kreditpunktesystem (ECTS) für Studienleistungen, Modularisierung sind aus Sicht der meisten befragten Studierenden umgesetzt; ebenso werden andere Elemente wie Qualitätskontrolle, Akkreditierung, Möglichkeit eines Auslandsstudiums als umgesetzt wahrgenommen.
  • Die Erwartungen der meisten Studierenden an ihr Studium sind hoch, es wird kein "Studium light" gewünscht, dass ausschließlich der Vorbereitung auf einen Beruf dient. Auch kann nicht festgestellt werden, dass Bachelor-Studierende weniger stark an einem Studium im Sinne des  Allgemeinwohls interessiert sind als frühere Studierendengenerationen. Das Interesse an einem persönlichen materiellen Nutzen des Studiums hat aber an Bedeutung gewonnen.
  • Studierende setzen sich selbst unter einen hohen Erfolgsdruck, wenn es um Studiendauer und -erfolg geht. Viele Studierende streben an, möglichst effizient zu studieren. Dieses Ziel ist erleben Studierende als eines, dass Ihnen von außen aufgenötigt wird, nicht als ein selbst gewähltes.
  • Viele Studierende (71%) schätzen Erfahrungen in der Arbeitswelt als wichtig ein und wünschen sich auch im Studium einen Praxisbezug und Kooperationen von Universität und Wirtschaft. Viele Studierenden arbeiten aber auch deshalb parallel zum Studium, um dieses finanzieren zu können. Dies wird als erhebliche Belastung empfunden und trägt zu längeren Studienzeiten bei.
  • BA-Studierende halten ihr Studium für stark geregelt und festgelegt. 59% der Befragten finden, dass für eigene Interessenschwerpunkte zu wenig Freiraum vorhanden ist. 
  • Die Studierbarkeit leidet an mangelhafter Transparenz durch schlechte Gliederungen, unklare Prüfungsanforderungen bei gleichzeitig hohen Leistungsanforderungen. Die Planbarkeit des Studiums ist oft nicht ausreichend.
  • Die Modularisierung des Studiums halten die Befragten oft für misslungen, wobei es Unterschiede zwischen den Fächern gibt. Die Einführung des ECTS-Abrechnungssystems bereitet hingegen wenige Schwierigkeiten.
  • Die befragten BA-Studierenden wenden etwas mehr als 35 Stunden in der Woche für ihr Studium auf. Die Autoren vermuten, dass es die Kombination mit den zahlreichen Regeln, zahlreichen Prüfungen, Anwesenheitspflicht etc. ist, die bei vielen Studierenden zu Stress und dem Gefühl des Ungenügens führt.
  • Der Kontakt unter Studierenden ist unter BA-Studierenden gut. Kontakte zu den Lehrenden sind selten.
  • Organisatorisch werden gravierende Problem festgestellt. Terminausfälle und -überschneidungen machen ein effizientes Studium oft unmöglich, vor allem in Kombination mit starren Vorgaben, welche Veranstaltungen zu besuchen sind.
  • Schwierigkeiten räumen Studierende mit einer effizienten Prüfungsvorbereitung ein (57%), mit der Planung des Studiums (53%) und den Leistungsanforderungen im Fachstudium (48%).
  • 28% der Studierenden empfinden ihre derzeitige finanzielle Lage als sehr belastend, 22% ihre Berufsaussichten und zukünftige finanzielle Lage. 71% der Studierenden an Universitäten (FH: 76%) hat Sorgen wegen ihr Finanzsituation und der Studienfinanzierung.
  • BA-Studierende denken eher über einen Studienabbruch nach als Diplom-Studierende.
  • 65% der Studierenden glauben, dass ihr Studium sie in fachlicher Hinsicht auf die Zukunft gut bis sehr gut fördert.
  • Weniger hohe Leistungsanforderungen oder geringere Prüfungsanforderungen halten wünschen sich nur wenige BA-Studierende. Wichtiger ist den meisten eine Verbesserung der Arbeitsmarktchancen, eine Erhöhung der BaföG-Sätze und Lehrveranstaltungen mit weniger Teilnehmern.
  • Als wichtige Elemente für die Entwicklung der Hochschulen werden von den befragten Studierenden angesehen: Pflichtpraktika in jedem Studiengang, Kooperationen der Hochschule mit der Wirtschaft, Ausstattung der Hochschulen mit mehr Personal. Für die neuen Studienstrukturen wird  befürwortet, das Maßnahmen zur Qualitätssicherung stattfinden (vergleichbare Standards, Akkreditierung) stattfinden, auch eine Internationalisierung des Studiums. Die Offenheit zur Aufnahme eines Masterstudiums und uneingeschränkte Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung sowie die Beteiligung der Studierenden an der Umgestaltung der Studiengänge wird ebenfalls für wichtig gehalten.

 Weitere Informationen:

Presse / Presseerklärungen:  

Rubrik: Studien, Daten & Co., studierbarkeit.de - Aktuelles