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Pressemitteilung vom 20.05.2008

Vor einem Jahr hat die Projektgruppe Studierbarkeit die Ergebnisse ihrer Umfrage zur Studierbarkeit an der Humboldt-Universität zu Berlin vorgestellt. In der Untersuchung ging es um die Situation in den neuen wie auch alten Studiengängen.

Pressemitteilung vom 20.05.2008

1 Jahr Ergebnisse der Studierbarkeitsumfrage an der HU Berlin

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Vor einem Jahr hat die Projektgruppe Studierbarkeit die Ergebnisse ihrer Umfrage zur Studierbarkeit an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) vorgestellt. In der Untersuchung ging es um die Situation in den neuen wie auch alten Studiengängen. Es wurden enorme Missstände festgestellt und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen. Die Projektgruppe kam zu dem Ergebniss, dass die Studienreform an ihrem Anspruch gemessen zu scheitern droht. Erklärtes Ziel des Bologna-Prozesses war z.B. die Verbesserung der Studienqualität und kürzere und effektivere Studienzeiten. Die Ergebnisse sowie unsere Pressemitteilungen und die Resonanz auf die Studie sind unter www.studierbarkeit.de zu finden.

Seit der Veröffentlichung haben auch andere Organisationen und Universitäten eigene Untersuchungen angestellt und veröffentlicht. Dabei wurden die Ergebnisse von der HU nicht nur bestätigt, sondern teilweise sogar im negativen Sinne übertroffen. An der FU Berlin wurde beispielsweise festgestellt, dass bei über 2/3 der BA-Studierenden im 3. Fachsemester massive Studienverzögerungen eingetreten sind. Aktuell stellt ein Ranking des CHE der Lehre an der HU und anderen Hochschulen kein besonders gutes Zeugnis aus. Im Frühjahr berichtete die HIS AG von steigenden Studienabbruchquoten in den neuen Studiengängen.

Erst ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung der Studie hat eine vom Akademischen Senat eingerichtete Arbeitsgruppe "Studierbarkeit" ihre Arbeit aufgenommen. Die AG hat sich seitdem u.a. mit den Themen Vertrauensschutz in den alten Studiengängen, Zugang zu Masterstudiengängen und Arbeitsbelastung der Studierenden beschäftigt. Die Ergebnisse der Diskussionen müssen jedoch noch ihren Weg in die Fakultäten und Institute finden, die die Erkenntnisse der Umfrage zum Teil bis heute nicht wahrgenommen haben. Diese mussten z.B. aufgefordert werden, Regelungen, wie sie in der Allgemeinen Satzung für Studien- und Prüfungsangelegenheiten (ASSP) festgeschrieben sind, einzuhalten sowie den Vertrauensschutz der Studierenden in den auslaufenden Studiengängen auf die Agenda zu setzen.

Zur Resonanz der Fächer auf die Studie beanstandet Lena Müller (Referentin für Hochschulpolitik im ReferentInnenrat der HU (RefRat) sowie Mitglied der Kommission für Lehre und Studium(LSK)): "Vereinzelt gibt es positive Beispiele wie in der Geschichtswissenschaft. Mehrheitlich müssen wir feststellen, das vom Akademischen Senat Studiengänge eingerichtet werden, die trotz der Studierbarkeitsumfrage, trotz Arbeit der AG-Studierbarkeit, trotz Bekenntnisse der Unileitung schlicht nicht studierbar sein werden. Aktuell handelt es sich z.B. um Studiengänge in den Erziehungswissenschaften und der Physik. Sie enthalten einen zu hohen Workload, der so, wie es in den Ordnungen vorgesehen ist, nicht in der vorgesehenen Zeit absolvierbar sein wird."

In den Ergebnissen der Projektgruppe wurde auch kritisiert, dass bei der Planung der neuen Studiengänge in der Regel davon ausgegangen wird, dass Studierende zum Lernen getrieben werden müssen. Wie Tobias Rossman berichtet (Referent für Lehre und Studium im RefRat, Mitglied der LSK und der AG Studierbarkeit), hat auch hier kein Umdenken stattgefunden: "Nach wie vor herrscht eine Stimmung des Misstrauens und der Kontrolle vor. Studierenden wird unterstellt, nicht studieren zu wollen. Dies zeigt sich z.B. an der aktuellen Diskussion um Funktionsstörungsatteste bei Krankheit im Prüfungsfall. Studierenden müssen in manchen Fächern absurde Atteste vorlegen und dann entscheidet das Prüfungsamt, ob die Krankheit zum Fernbleiben von einer Prüfung berechtigt. Ein Institut musste sogar angewiesen werden, den Studierenden während einer Klausur den Gang zur Toilette nicht zu versagen."

Eva Fuchslocher von der Projektgruppe Studierbarkeit zeigt sich ein Jahr nach der Veröffentlichung der Studie ernüchtert: "Wir haben viel Arbeit in ein sinnvolles und wichtiges Projekt gesteckt, mit dem Ziel die Studiensituation an der HU zu verbessern. In der Studie haben wir gezeigt, dass die Probleme in den neuen Studiengängen struktureller Art sind und entsprechende Lösungsvorschläge erarbeitet. Die Universitätsleitung hätte schnell und umfassend reagieren müssen. Schließlich ist es eine der Kernaufgaben einer Universität, funktionierende Studiengänge anzubieten. Von der Reaktion der Universitätsleitung sind wir enttäuscht."

In Kürze wird der Rechenschaftsbericht des Präsidiums der HU veröffentlicht -- es bleibt abzuwarten, ob dieser im Gegensatz zum letzten Jahr Probleme und Lösungsansätze in Sachen Studierbarkeit beinhalten wird, die über Lippenbekenntnisse und bloße Ankündigungen hinausgehen werden.

Mehr Informationen finden sich unter www.studierbarkeit.de oder unter info(at)studierbarkeit*de oder unter 0151 - 531 81 637